Zufriedenheit
Contentment nennt man das im angelsächsischen Sprachraum. Zufriedenheit findet man meines Erachtens in unseren Breiten eher selten. Ich selbst (hier darf sich der Esel mal zuerst nennen) und andere sind eher auf die negativen Dinge im Leben ausgerichtet. Die positiven halten wir meist für selbstverständlich. Deshalb sparen wir auch mit unserem Lob. Meine Freunde, die Schwaben, sind ja berühmt für den Spruch: "it gschompfa isch globt gnuag" (Je nach Region, variiert die Schreibweise. Egal in welcher Region man diesen Satz zitiert, ich halte ihn für falsch - selbst auf Hochdeutsch: "Nicht geschimpft, ist genug gelobt". Besonders tragisch ist das fehlende Lob mit Blick auf unsere Mitmenschen, unsere Kollegen, Mitschüler, Angestellte oder unseren Lehrer, Abteilungsleiter und Chef.
Immer nur das Gute und Höchstleistungen zu erwarten, ohne Anerkennung und Lob zu zollen ist destruktiv, entmutigt, demotiviert und verbittert Menschen. Jeder halbwegs vernünftige Unternehmer hat schon längst begriffen, dass gezollte Anerkennung - nicht nur in monetärer Form - Leistung steigert und das Arbeitsklima verbessert. Zufriedenheit in der Familie, am Arbeitsplatz oder sonst wo gehen meist Hand in Hand mit Lob und Anerkennung.
Als leidenschaftlicher Golfer, der ich nun mal bin, vermisse ich gerade in diesen Tagen Zufriedenheit. Nein, nicht mit meinem Spiel. Da habe ich mich an das Auf und Ab längst gewöhnt. Außerdem fehlt es uns Golfern nicht an anerkennenden Worten für unsere Flight-Partner. Bei schlechten Schlägen halten wir höflich den Mund, bei guten sagen wir "Schöner Schlag." (Nur golfende Eheleute - so meine Beobachtung - trauen sich ehrlicher miteinander umzugehen. Sei's drum.) Was mich in diesen Tagen nervt, ist die notorische Unzufriedenheit mit dem Wetter. Zuletzt hörte ich Leute sagen: "Was ist das doch für ein blödes Golfwetter in den letzten Wochen und Monaten. Zu kalt, zu windig, zu regnerisch und überhaupt...". Jetzt höre und sehe ich gerade kaum jemanden auf dem Golfplatz, denn... "Bei dieser Affenhitze golfen - geht's noch!?! Da geht man ja kaputt."
Wäre es nicht ein Anfang, mit Dingen, die man nicht beeinflussen kann, so umzugehen, dass sie uns nicht permanent die gute Laune verderben? Hier ein Beispiel, das mich beeindruckt hat: Neulich fuhr ich über 400 km in meine alte Heimat - das schöne Bergische Land. Ich wollte an einem Turnier auf dem sehr schönen Golfplatz vom Golfclub Dreibäumen teilnehmen und hatte mich schon seit Wochen sehr darauf gefreut. Freude-Faktoren: Das Wiedersehen alter Freunde, Heimatgefühle, ein schöner Golfplatz und die Aussicht etwas Gutes zu tun für Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt, Niger. (Siehe unten!)
Leider regnete es die ganze Nacht vor dem Turnier wie aus Eimern. Am Morgen des Turniers regnete es immer noch. Alle Bunker standen unter Wasser und selbst etliche der Grüns waren nicht zu bespielen. Erinnerungen an den 38. Ryder Cup in New Port, der in Regen, Matsch und Modder zu versinken drohte, kamen auf. Dann kam die schlechte Nachricht der Club Managerin: "Der Platz ist unbespielbar. Wir müssen das Turnier leider absagen." Ich dachte nur: "Nee ne..." Prämiere in meinem Golferleben.
Meine Gedanken und Blicke gingen sofort in Richtung Ausrichter und Organisator des Turniers. Er war ebenfalls einige hundert Kilometer angereist. Erwartet hätte ich Frust und missmutige Aussagen. Stattdessen verbreitete er positive Stimmung, munterte enttäuschte Golfer auf und lud noch zu einem fröhlichen Miteinander ein. Das war kein Zweckoptimismus oder einfach nur gute Miene zu bösem Spiel. Ich hatte ihn auch bei anderen Events als jemanden wahr genommen, der gelernt hatte, das Zufriedenheit nicht in erster Linie von äußeren Umständen, Erfolg oder Misserfolg abhängt, sondern von der Verankerung des eigenen Lebens in dem festen Glauben an einen souveränen Gott.
Letztlich ist es genau das, was für mich das Geheimnis wahrer Zufriedenheit bedeutet. Eine Zufriedenheit, die nicht künstlich oder mit Selbstbetrug erzielt wird. Deshalb ist es auch das Beste, alles zu tun, was in unserer Macht steht, wenn es regnet bzw. die Sonne scheint. Nämlich? Den Regen regnen und die Sonne scheinen zu lassen, denn Gott weiß, was er tut.
Als ich neulich meine Tochter und meinen Schwiegersohn getraut habe, predigte ich über den von ihnen gewählten Trauvers "Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." Jeremia 29,11
Er hat mich persönlich darin bestärkt, einzuüben, Gott für mein Leben zu vertrauen - Wetter hin oder her. Der Begriff Wetter ist in den obigen Gedanken eh nur ein Platzhalter für alle anderen Dinge, die wir im Leben nicht beeinflussen können. Wenn WIKIPEDIA richtig liegt, war es vermutlich der Theologe Reinhold Niebuhr, der folgendes Gebet formulierte, das ich hervorragend finde:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Im Original für Liebhaber der englischen Sprache:
God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference.
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*CVJM Hilfsprojekt Niger - http://www.cvjm.de/arbeitsbereiche/internationale-arbeit/aktion-hoffnungszeichen/laender/niger/, gefördert durch www.birdie-tour.de. Wer Interesse hat, sich ebenfalls für dieses Projekt einzusetzen, kann sich bei mir melden, um Einzelheiten zu erfahren. Wir möchten bei Ichtu's Turnieren gespielte Birdies ebenfalls gerne in den Dienst dieser guten Sache stellen.

