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Gedanken zu Psalm 23

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1 "Ein Psalm Davids." Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

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Der Psalm verdankt seinen Reiz der geschickten Anordnung sich gegenüberstehender Bilder, die die wesentlichsten Aspekte menschlichen Lebens enthalten:

  • Draußen (V. 1-2)und drinnen (V. 6),
  • Friede (2) und Gefahr (4),
  • die Möglichkeit des Bösen (4) wie die des Guten (5),
  • Zeiten der Neubelebung (3) und Zeiten unheilschweren Dunkels (4),
  • die Erfahrung der Nachfolge (1f) und das Leben in beständiger Geborgenheit (6).

Alle literarischen Kristallisationspunkte dieses lyrischen Meisterwerks sind auf Gott ausgerichtet, dessen liebende Fürsorge, nicht endende Wachsamkeit und bleibende Gegenwart das Leben lebenswert machen.

Sie sind es, die dem Menschen echte Befriedigung verschaffen können, die auch dann bleibt, wenn das Leben alles andere als befriedigend verläuft.  Dunkle Täler des Lebens sind vielschichtig: Tod eines geliebten Menschen, Scheidung, Verlust der Arbeit, Krankheit oder schlicht ein unerträgliches Arbeitsklima. Die Beschreibung der vielfältigen Tätigkeit des guten Hirten in den Versen 2-5 (er weidet, führt, erquickt, leitet, ist bei mir, tröstet, bereitet den Tisch, salbt das Haupt und schenkt voll ein) ist eingerahmt durch den Namen des Herrn. Der Herr, der Gute Hirte, steht am Anfang und Schluss des Psalms. Nicht ohne Grund.

1 "Ein Psalm Davids." Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Mir wird nichts mangeln? Ist es kalt, mangelt es uns an der Sonne. Ist es heiß, dann mangelt es uns an einer frischen Brise. Sind wir Kinder, dann wünschen wir uns erwachsen zu sein. Sind wir 60 wären wir gerne wieder 25. Sind wir richtig alt, wünschen wir uns die Beweglichkeit und den Geist eines jungen Menschen. Dann liegen wir irgendwann auf dem Sterbebett, haben unser Leben gelebt und doch nie das bekommen, was wir wollten. Ist es wirklich das, was wir wollen? – Warum eigentlich? Wir Menschen tun uns schwer, zufrieden zu sein.

Zufrieden wie ein Apostel Paulus, der es gelernt hat mit viel und wenig auszukommen (Philipper 4,11-12) und dem Gott bei anderer Gelegenheit in einer tiefen Krise mal sagte: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (oder: kommt in der Schwachheit erst richtig zur Geltung) - 2. Kor 12,9.

Wenn wir unsere Zufriedenheit von äußeren Umständen abhängig machen, dann können wir einpacken. Sie sind so ziemlich das Unbeständigste, was es gibt. Zufriedenheit hängt gar nicht so sehr davon abhängt, was uns gehört, sondern wem wir gehören.

Nicht davon, um was wir uns sorgen, sondern davon, wer für uns sorgt.

Nicht so sehr davon, welche Umstände uns umgeben, sondern welche Kraft in uns wirkt.

Der HERR – der Herr Jesus als guter Hirte – ist es, der unseren Mangel stillt, wenn wir IHM erlauben, es zu tun. Seine Liebe drängt sich uns nicht auf, denn Gegenliebe kann ich nicht erzwingen. Der gute Hirte möchte deinen Mangel stillen.

Er macht hier ein wenig Werbung für sich:

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Hier finden wir das, was der Gute Hirte uns in Aussicht stellt. Im Psalm 23 geht es ja um das Bild der Schafe, die sich ihrem Hirten anvertrauen. Grüne Auen und frisches Wasser stehen ja nicht nur für einen schön angelegten Golfplatz, sondern für Orte und Bedingungen, die ich zu einem gesunden, ausgewogenen und erfüllten Leben benötige. Es sind aber nicht Orte, die ich mir nach eigenem Gutdünken wähle, sondern an die mich mein Guter Hirte führen möchte.

Hier liegt der Unterschied zwischen dem modernen Menschen, der auf eine Beziehung zum Guten Hirten -Jesus - verzichtet und dem vermeintlich dummen Schaf, das sich dem Hirten anvertraut. Der moderne Mensch versucht alles, um zu bekommen, was er nicht festhalten kann und was ihm meist nur vorübergehend Befriedigung verleiht. Er rast rastlos durchs Leben, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten Kick, einer noch schöneren Wellness-Erfahrung, oder was auch immer.

Dem guten Hirten gehen die grünen Auen und das frische Wasser nie aus. Er weiß wo sie sind. Und wer sich darauf einlässt, sich von ihm führen zu lassen und sich auf ihn zu verlassen, der hat alles, was er braucht und mehr als das.

Der Unterschied zwischen einem Menschen, der sich dem guten Hirten anvertraut und dem, der es vorzieht, in eigener Regie von einer Spielwiese zur nächsten zu hecheln, zeigt sich meist, wenn sich Situationen einstellen, von denen Vers 4 spricht:

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Im Zeiten des Leidens wird deutlich wie zerbrechlich das Leben ist und wie brüchig das Fundament, auf das sich viele Menschen stellen. Wir täuschen unsere Seele, wenn wir denken, dass wir uns alles erlauben können und alles im Griff haben, alles kontrollieren.

Ich gehöre nicht zu denen, die den schönen Seiten des Lebens nichts abgewinnen können – dann würde ich nicht Golf spielen, nicht ins Kino oder Tanzen gehen. Mir geht es vielmehr darum, dass wir Menschen uns überschätzen, wenn wir glauben, dass wir die Dinge im Griff haben. Der Stolz und die Überheblichkeit des Menschen kommen immer vor dem Fall.

Wenn wir es nicht lernen, auch in guten Zeiten demütig zu bleiben, zu teilen – Zeit, Geld, uns selbst –, statt nur an uns zu denken, dann werden wir in Zeiten der Krise und des Leidens wie ein Schildkröte auf dem Rücken liegen: ungeschützt, unbeweglich, hilflos. Wir ernten dann, was wir säen.

Vielen, die auf dem Rücken liegen, hilft der Blick nach oben dann auch nichts mehr, weil sie den guten Hirten da oben permanent ignoriert haben. Dann wissen sie nicht, wie und ob sie sich Ihm überhaupt nochmals nähern können. Dabei wartet er sehnsüchtig auf uns - bevor wir auf dem Rücken liegen, aber auch gerade dann. - Manchmal gelingt es, unseren Stolz zu überwinden und uns einzugestehen, dass wir jemanden wie den Guten Hirten brauchen.

Die Bibel mahnt: "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!" D.h.: Sich auf den guten Hirten einzulassen ist nichts, das man auf den nächsten Tag verschieben sollte.

Der Mensch, der Jesus in sein Leben einbezieht, hat auch in schweren Zeiten jemand, der für ihn einsteht mit seinem Stecken und Stab. Letztere erfüllten im Job eines Hirten übrigens ganz spezielle Aufgaben. Dabei ging es nicht nur um Verteidigung von reißenden Tieren, sondern auch um die Leitung der Herde durch korrigierendes Eingreifen.

Ein Schaf weiß, solange der Stab zu sehen ist, dass der Hirte da ist, auch wenn es ihn selbst nicht sieht, weil er sich im Schatten eines Baumes ausruht. Das ist ein Trost. Übrigens haben Christen Trost und Beistand von Jesus verheißen bekommen für die Zeit, wo er nicht mehr sichtbar anwesend ist – den Heiligen Geist.

Durch ihn wohnt und wirkt Christus als der gute Hirte in Gottes Kindern. Deshalb kann ein Kind Gottes anders durch Zeiten des Leidens gehen, als jemand, der sich auch in schweren Zeiten nur auf sich selbst verlassen kann.

Dabei geht es übrigens nicht um den vermeintlichen Placeboeffekt des Glaubens, sondern um die Erfahrung einer für uns nicht sichtbaren Realität. „Der Glaube ist eine feste Zuversicht des, das man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1)

Die Bibel selbst besteht übrigens gar nicht darauf, den Beweis anzutreten, dass der Schöpfer und Erlöser tatsächlich existieren, denn Gott kann darauf verzichten, sich zu beweisen. Er weiß gut genug, dass selbst das bei Menschen nicht zwangsläufig zum Glauben führt.Und doch hat er uns genug von sich offenbart, dass wir als denkende Menschen zu dem Schluss kommen können, dass er existiert.

Was Gott aber weiß, ist, dass Vertrauen und Liebe ein unzertrennliches Paar sind. Wer wirklich liebt, vertraut ! Jesus liegt alles an Treue – auch in schweren Zeiten. Das gilt für die Liebesbeziehungen zwischen Menschen und die Beziehung zum guten Hirten.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Ich zitiere Ausführung von Janice MC Bride, die ich zum Thema „Salbung der Schafe mit Öl“ gefunden habe:

"Die Hitze des Sommers kann von den Schafen als Qual empfunden werden, da sie dauernd von Fliegen und Schnaken angegriffen werden. Diese Schmarotzer

umkreisen ständig den Kopf der Schafe, um ihre Eier in deren Ohren, Augen und Nasen zu legen. Wenn ihnen das gelingt, schlüpft nach einigen Tagen ein kleiner

Wurm aus, der sich in den Kopf der Schafe gräbt und ein dauerndes Reizen und schwere Entzündungen hervorruft.

Um Erleichterung davon zu bekommen, schlagen die Schafe absichtlich ihre Köpfe gegen Bäume und Felsen und reiben sie gegen eine harte Oberfläche.

Vorangeschrittene Infektionen können sogar Blindheit der Schafe verursachen. Manche Schafe töten sich selbst, indem sie versuchen, Erleichterung von den Schmerzen und der Reizung zu bekommen. Die Angst und die Qualen, die die Schafe durchmachen, haben Auswirkungen auf die ganze Herde.

Ein guter Hirte ist auf die Hitze des Sommers vorbereitet.

Er bereitet ein Gemisch von Leinöl, Schwefel und Teer und reibt das auf die Köpfe der Schafe. Er achtet besonders darauf, dass die Ohren, Augen und Nasen bedeckt sind. Sobald dieses Öl angewandt wird, findet eine unglaubliche Veränderung im Verhalten der Schafe statt. Die Aggression, das Rasen, die Reizbarkeit und die Unruhe lassen nach. Sie fressen, trinken und ruhen wieder."

Was für ein Bild! Dem ist gar nichts mehr hinzuzufügen.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Am Ende des Psalms findet sich der Ausdruck von Zuversicht und Gewissheit eines Hirten namens David, dessen Erfahrungen mit dem großen, guten Hirten so überwältigend und erfüllend sind, dass kein Zweifel bleibt.

Seine Güte und Barmherzigkeit sind „unlimted“, also grenzenlos. So grenzenlos wie die Ewigkeit, für die das „Haus des Herrn“ steht, in dem der immer bleiben wird, der sein Leben diesem Hirten anvertraut.

Johannes schrieb einmal: „Dies habe ich euch geschrieben, auf dass ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt!“ (1. Johannes 5,17)

Das kann er denen schreiben, die sich bewusst entschieden haben, zu Nachfolgern Jesu zu werden. Jesus sagte selber mal im Zusammenhang mit dem Bild von Schaf und Hirten:

„9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden (Anmerkung: hier steht nicht eventuell!) und wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen. 11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Johannes 10,9-11)

Jesus als die Tür einerseits – durch die man gehen kann, oder eben nicht. Wer sie wählt, wird selig (ewig gerettet) werden und genießen, was Jesus verspricht: Leben und volle Genüge – das ist echte Zufriedenheit, die nicht von äußeren Umständen abhängig ist.

Alles das geschieht auf der Grundlage einer unglaublichen Liebe des Hirten, der sogar für uns Schafe in den Tod ging, damit wir leben können – erfüllt schon jetzt und ewig einst.

Was für ein Gott!

Ein wahrer Freund ist jemand, der dein Lachen sieht und trotzdem merkt, dass deine Seele weint! – So ist Jesus.

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