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Golfer sind die ehrlicheren Sportler!?

„Blödsinn!“, höre ich die Leser dieses Blogs sagen. – „Abwarten“, höre ich mich kontern.

 

Fußball-WM in Mexiko. Die legendäre Hand Gottes („La mano de Dios“) des Diego Maradonna leitete am 22.6.1986 im Viertelfinale Englands  2-1 Niederlage gegen den späteren Weltmeister Argentinien ein. Fast 25 Jahre ist das her, aber heute noch Gesprächsgegenstand an Stammtischen rund um den Globus, wenn irgendwo auf dieser Welt ein nicht geahndetes Handspiel zum Tor führt.

Es ist ein offenes Geheimnis: Fußball zeichnet sich nicht durch Ehrlichkeit aus. Manche Fußballer haben m.E. echt einen Vogel bzw. eine Schwalbe, wenn sie meinen, sich durch Lügen einen Vorteil verschaffen zu müssen. Ich hasse das. Ja, auch dann, wenn sich Spieler meiner Borussia (der aus Mönchengladbach) auf diese Weise einen Elfmeter erschleichen oder ihren Gegnern dadurch zu gelben oder roten Karten  verhelfen.

Unehrlichkeit im Sport ist Alltag – nicht nur im Fußball. Das ist die traurige Wahrheit. Weil das so ist, werden mancherorts Fair-Play-Pokale und Auszeichnungen gestiftet, die die Ausnahme zur Regel würdigen: Ehrlichkeit.

Sogar die BILD hat etwas dazu zu sagen?  „Für eine Lüge auf dem Platz gibt es keine Ausrede!“

 Na, wenn die das sagt, dann muss es ehrlich gemeint sein, denn kaum jemand kennt sich mit diesem Thema Ehrlichkeit so gut aus wie sie. – BILD dir deine Meinung!

Was den Golfsport betrifft, so ist der Anspruch (besonders der an die anderen), Ehrlichkeit zu praktizieren, sehr hoch. Golf ist ein Gentlemen game, sagt man. Es stimmt. Eine Tugend wie Ehrlichkeit wird im Golfsport im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten regelrecht eingefordert. Das mag darin begründet liegen, dass die Möglichkeiten, heimlich zu betrügen, so zahlreich sind. Bei Regelverstößen sind Golfer – zumindest moralisch – verpflichtet, sich selbst „anzuzeigen“. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ihn beim Regelverstoß gesehen hat, oder nicht. Das unterscheidet diesen Sport von anderen Sportarten, in denen der Regelverstoß nur geahndet wird, wenn der Schiedsrichter es gesehen hat.

Ein Nichtgolfer mag in diesem Zusammenhang manche Golfregeln, die zu Strafen führen, für unsinnig halten. Für den Golfer machen sie den zusätzlichen Reiz und Anspruch des Spiels aus. Sie verlangen ihm gute Technik und höchste Konzentration ab. Es sind gerade auch diese Regeln, die Golf zu einer der schwersten und herausfordernsten Sportarten überhaupt machen.

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für Ehrlichkeit lieferte der Londerner Profi Brian Davis im April diesen Jahres. Er war dem Ziel, sein allererstes Turnier auf der PGA Tour zu gewinnen, so nah wie nie. Im Stechen gegen Jim Furyk, den späteren Player of the Year 2010, schlug er seinen Ball in ein „trockenes“ Wasserhindernis neben dem Grün. Die Lage war gar nicht so schlecht. Allerdings berührte er beim Ausholen ganz leicht einen sog. „losen hinderlichen Naturstoff“.  In diesem Fall war es ein Schilfrohr, das nicht mehr festgewachsen war. Nach Regel 13.4 zieht dieser Verstoß zwei Strafschläge nach sich. Davis war sich nicht ganz sicher, ob er einen Regelverstoß begangen hatte, so minimal war die Berührung. Also bat er einen Platzrichter, die TV-Bilder zu prüfen.

Das Ergebnis seiner Ehrlichkeit bescherte ihm die Niederlage im Stechen. Ein Sieg hätte ihm nicht nur 400.000$ mehr an Preisgeld gebracht, sondern auch die Spielberechtigung für weitere zwei Jahre auf der PGA Tour und die Teilnahme am Masters 2011. Bei diesem Turnier möchte jeder Golfer aufteen.

Ehrlich?! Golfer sind natürlich nicht immer ehrlich.  Und dennoch hat Brian Davis in einem Jahr, in dem Golf vor allem durch den Skandal um einen unehrlichen Tiger Woods von sich reden gemacht hat, ein postives Ausrufezeichen gesetzt.

Tat Brian Davis das mit Berechnung, wie manche meinen?  Sie würden mit Friedrich Nietzsche sagen: „Einer, der gegen sich öffentlich ehrlich ist, bildet sich zu allerletzt etwas auf diese Ehrlichkeit ein: denn er weiss nur zu gut, warum er ehrlich ist — aus demselben Grunde, aus dem ein anderer den Schein und die Verstellung vorzieht.“*

„Blödsinn!“ Golf ist und bleibt ein game of honor. In diesem und in jedem anderen Sport ist es möglich, ehrlich zu bleiben. Letzlich ist es eine Frage der Ehre und der Ehrlichkeit. Letztere ist keine Frage der Sportart, sondern des Charakters. Ehrlichkeit – davon bin ich überzeugt – zahlt sich aus.

Golfer sind nicht die ehrlicheren Sportler. Eines von vielen Fair-Play-Beispielen im Fußball fand ich in den Ruhrnachrichten. Bezeichnender Weise kein Profi, sondern ein D-Jugendspieler namens Simon.

In der Bibel steht an einer Stelle ein vielsagender Satz, der auch zu diesem Thema passt: „Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“**

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* Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. Band 1. Hrsg. Karl Schlechta. München: Hanser, 1954.

** Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 6, Vers 7.

© Sportpastor Karsten Gosse, ICHTU’S – Christen im Golfsport e.V. - 19.12.201ü

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